Schimmel in der Mietwohnung – Wie geht es weiter?

Jeder kennt das irgendwoher – ein muffig feuchter Geruch, schwarze Punkte und Flecken auf den Wänden, ein beklemmendes Gefühl des Unwohlseins.
Wenn Sie Glück haben, haben Sie das Schimmelproblem noch nie am eigenen Leib erlebt, sondern kennen es vom Hörensagen oder von Besuchen in Wohnungen betroffener Freunde und Freundinnen.

Wo kann Schimmel zum Problem werden?

Schimmel ist ein Pilz, der mikroskopisch klein, dafür aber umso potenter ist. Er kann sich, hat er sich erst einmal auf geeignetem Boden niedergelassen, durch Verbreitung seiner Sporen überall vermehren. In erster Linie kennen wir ihn von unseren Lebensmitteln, wo er im Dunkeln, Feuchten und Warmen am besten gedeiht. Jedoch ist er auch ein Experte des Überlebens auf Wänden, Decken, Mauern und Holz, wenn die Lebensbedingungen stimmen. Schimmel hat mikroskopisch kleine Sporenkapseln, die er zu gegebener Zeit öffnet und seine Nachkommen in die Umwelt entlässt.

Ist Schimmel Grund für Drama?

Schimmel in der MietwohnungAuf jeden Fall ist Schimmel nicht zu bagatellisieren. Viele heutzutage auftretende Allergien hängen mit Schimmel zusammen. Medizinische Studien haben festgestellt, dass Schimmel – wahrscheinlich durch die Sporen in der Luft – Auslöser für asthmatische Beschwerden sein kann. Niemandem würde es einfallen, ein mit Schimmel belegtes Brot zu essen, und das nicht nur wegen des ekligen Geschmacks, sondern weil unsere Großmütter schon gewusst haben, wie toxisch Schimmelpilze wirken können. In einer mit Schimmel verunreinigten Wohnung zu hausen, können die meisten von uns jedoch eine bestimmte Zeit verschmerzen. Irgendwann nimmt der Frust darüber jedoch Oberhand, weiß Mann/Frau doch, dass dies nichts Gutes für die Gesundheit bedeuten kann.

Chemische Keule oder Fachmann?

Es gibt viele Mittel gegen Schimmelbefall im Fachhandel. Die meisten davon sind jedoch auf ihre Art genauso toxisch wie Schimmel. Hersteller empfehlen, diese Mittel nur unter ausreichender Belüftung zu verwenden. Es bleiben Dämpfe in der Luft zurück, die nicht so schnell aus den eigenen vier Wänden verschwinden. Das Problem bei diesen Mitteln ist, dass sie meist nur die Symptome bekämpfen anstatt der Ursachen. Eigentlich müsste zuerst geklärt werden, wieso es zu Schimmelbefall kommen konnte. Die Ursachen sind vielreichend, angefangen von schlechter Belüftung, unzureichender Heizung, stundenlang feuchter Nassräume und von Nachtschweiß gesättigter Schlafzimmer über schlechtes Mauerwerk zu ständig feuchten Wänden. Dies zu klären ist oft für den Laien sehr schwierig.

Wie gehen Fachleute das Problem an?

Es gibt viele Unternehmen, die sich auf die Beseitigung von Schimmel spezialisiert haben. Dabei ist vorrangig, dass die Mittel, die von ihnen eingesetzt werden, biologisch verträglich sind. Das bedeutet für Sie, dass Sie nach der Prozedur sofort wieder Ihre Wohnung beziehen können. In der Regel kommen solche professionellen Schimmel-Experten in Ihre Wohnung, analysieren das Problem und beseitigen es im Idealfall, entfernen dann mechanisch mittels verschiedener Spezialwerkzeuge den Schimmel und sanieren am Ende die Wände durch neues Streichen oder neues Tapezieren.
Das bedeutet sicher eine Menge Aufwand, nicht nur zeitlicher sondern auch finanzieller Natur.
Zweifellos muss ein Haus- oder Wohnungsbesitzer selber für den entstandenen Schaden und dessen Beseitigung aufkommen.

Wie sieht das Ganze bei Mietwohnungen und Mietshäusern aus?

Als erstes ist zu klären, ob sich der Schimmel nur oberflächlich gebildet hat oder nicht. Dies ist im Normalfall nur von einem echten Experten wie oben beschrieben zu beurteilen. Sollte sich herausstellen, dass die Mieter die Schimmelbildung selber verschuldet haben, müssen sie für den Schaden und dessen Beseitigung aufkommen. Oft ist es so, dass man duscht, zur Arbeit geht, vergisst, die Wohnung zu lüften und alle Türen und Fenster geschlossen hält. Bei solch wiederholter Nachlässigkeit bildet sich unweigerlich Schimmel in den Fliesenfugen des Badezimmers oder Ecken der Schlafzimmer. In diesem Fall müssen sich die Mieter wirklich bemühen, ein anderes Heiz- und Lüftungsverhalten – vor allem im Winter – an den Tag zu legen.
Niemand heizt gerne für die Fische, wie man so schön sagt. Jedoch bringt es viel mehr, Wohnungen, die beheizt werden, zwei- bis dreimal am Tag kurz aber intensiv (mehrere Fenster weit offen) zu lüften als den ganzen Tag ein Fenster gekippt zu lassen. Die Luft kann viel mehr Feuchtigkeit aufnehmen, wenn sie regelmäßig Austausch mit der Außenluft hat. Dadurch kann sich die Nässe nicht so leicht an Wänden niederlassen und Grundlage für Schimmelbildung darstellen.

Was tun, wenn man selber sicher nicht schuld ist?

Wenn der Fachmann oder die Fachfrau feststellt, dass der Schimmel nicht nur oberflächlich existiert, sondern sich bereits tief im Mauerwerk befindet, fällt dies in die Verantwortlichkeit der Vermieter. Schimmel ist ein Lebewesen, das wie jeder Pilz sein Myzel tief in das Substrat, den Nährboden, eindringen lässt, um neue Lebensgrundlage für die Nachkommen zu finden. Zum Vergleich: Sind die Pilzfäden, das Myzel also, bereits tief in ein Lebensmittel eingedrungen, genügt es nicht, den Schimmel oberflächlich zu entfernen. Sie müssen die gesamte Marmelade, den gesamten Käse, das gesamte Brot entsorgen. Ähnlich verhält es sich mit den mit Schimmel verseuchten Mauern und Wänden. Ein oberflächliches Beseitigen hilft nicht mehr und ist auch nicht mehr Sache des Mieters und der Mieterin.

Konsequenzen für Mieter und Vermieter

Sollte festgestellt werden, dass die Vermieter für die Beseitigung des Dilemmas aufkommen müssen, dies aber über einen längeren Zeitraum verabsäumen, sind die Mieter berechtigt, solange, bis sie wieder unter normalen Umständen wohnen können, den Mietzins herabzusetzen. Sollte sich allerdings nach einiger Zeit herausstellen, dass doch die Mieter Schuld an der Misere haben, dürfen die Vermieter die entgangenen Mieteinnahmen sowie die Sanierungskosten von den Mietern zurückfordern.

Sie sehen also, ein komplexes Thema, bei dem es sicher selten ein eindeutiges Urteil darüber gibt, wer nun schuldig ist und wer unschuldig. Am besten ist es sicher, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, dass darüber verhandelt werden muss, wer für den Schaden aufkommt. Die Mieter können sicher mehr dazu beitragen als die Vermieter, da sie ja die Bausubstanz und deren Pflege in ihren Händen haben. Handelt es sich jedoch um altes Mauerwerk oder ging der Misere ein Rohrbruch voraus, ist es Sache der Vermieter, dafür zu sorgen, dass die Mauern richtig austrocknen. Es ist zwar etwas kostenintensiv, jedoch allemal rentabel, Wohnraumentfeuchter zu mieten und damit ein gesundes Raumklima zu schaffen, bevor neue Mieter einziehen.
Bricht eine Allergie aus oder fängt die Lunge mit asthmatischen Beschwerden an gegen die Schimmelsporen zu rebellieren, ist es meist schon zu spät. Vor allem Kinder und ältere Menschen sollten niemals einer Schimmelbelastung über längeren Zeitraum ausgesetzt werden. Es ist unbedingt zu empfehlen, dass Sie ein Fachunternehmen kontaktieren und das Problem beseitigen lassen ohne vorher wochenlang mit Vermietern über dessen Notwendigkeit zu debattieren . Weiters müssen Sie alle Ihre Anstrengungen und Initiativen bezüglich Schimmelentfernung schriftlich und fotografisch dokumentieren. Wenn Ihnen Ihr Arzt, sollten Sie gesundheitliche Beschwerden entwickeln, bestätigt, dass diese durchaus aufgrund von Schimmelbelastung entstehen konnten, wird Ihnen Ihr Vermieter oder Ihre Vermieterin sicher entgegenkommen.
Wie immer ist es auch bei Schimmel in einer Mietwohnung viel besser, in Ruhe ein Gespräch zu suchen und gemeinsam zu einer Lösung zu kommen, als sich gegenseitig Schuld zuzuweisen. Damit ist niemandem geholfen und die Situation kann nicht verbessert werden. Es muss allen Beteiligten klar sein, dass ein gesundheitliches Risiko besteht, das vermieden werden muss. Zu diesem Zweck müssen die betroffenen Parteien zusammenhelfen anstatt sich zu bekriegen. Jeder Vermieter weiß, dass es viel mehr Geld kosten kann, wenn es zu Schadensersatzzahlungen aufgrund der Wohnsituation kommt.
In diesem Sinne empfehlen wir Ihnen wie immer: Bewahren Sie Ruhe, suchen Sie das Gespräch und vermeiden Sie Anklagen und Vorwürfe!

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